“Da weißte was los war”

Diesmal sollte alles anders werden, nachdem ich mir bereits Anfang April am Etang Ronsard eine “blutige Nase” eingefangen habe. Mein Gegenüber kippte auf einem 25m breiten Durchlauf ca. 15 Kilo Tigernüsse ab, von daher war an Fische fangen leider nicht mehr zu denken und ich bin nach Hause gefahren.
Die Fangaussichten waren zudem mehr als mau und nach meinen Info’s sind bis dahin rückwirkend der letzten 14 Tage gerade mal 3 Fische gefangen worden.
Diese Tour habe ich mit meinem Freund Michael aus Dresden geplant. Micha hatte aus familiären Gründen eine langjährige Karpfenpause hinter sich. Diesmal sollte es etwas beschaulicher zugehen und das Interesse an dem “Mini-Cassien” La Ramade in Südfrankreich war geweckt. Und so sollte endlich der lang ersehnte der Tag kommen als Micha aus Dresden kommend morgens gegen 9 Uhr an meiner Pforte schellte und wir uns direkt weiter auf den Weg nach Hengelo machten, um uns mit frischen Baits plus diversen Liquids etc. einzudecken. Nach unserer Rückkehr hatte er an dem Tag schlappe 1200 km im Auto abgesessen, aber die Vorfreude war eben grösser als jeder zu spürende Rückenschmerz. Abends gegen 22 Uhr war der Wagen bis unters Dach prall gefüllt und nach einer kurzen Erholungsphase standen schon wieder die nächsten 1000 km auf dem Plan. Die Fahrt verging wie im Fluge und bei der Ankunft in Flayat im Süden Frankreichs wurden wir sehr freundlich empfangen und es erfolgte durch den Ansprechpartner “Siri” eine Einweisung der gebuchten Angelstelle sowie der sehr ansprechenden und gepflegten Anlage.
Unsere größte Sorge hatte sich gleich verflüchtigt, da die Temperaturen im Keller waren und es sehr stark regnete. Die Karpfen hatten also bis dato nicht abgelaicht und so erhofften wir uns doch den ein oder anderen schönen Carp auf die Matte zu legen.
Wir konnten direkt vor Ort ein zweites Boot bekommen und machten uns auf den Weg zur Angelstelle. Eine faszinierende Landschaft zeigte sich von seiner besten Seite. Sattes grün hatte uns schon während der Anfahrt in der Region Limousin empfangen.
Und das dieses Grün nicht von irgendwo her kommt, konnten wir direkt feststellen, als wir uns mit den vollgepackten Booten auf dem Weg zur Angelstelle machten. Die Taufe erfolgte direkt auf dem Wasser, als uns ein heftiger Starkregen völlig durchtränkte und wir verdammt froh waren, das Zelt irgendwie in der absoluten Matsche aufgebaut bekommen zu haben. Die zwei nachfolgenden Fahrten a´ 2 km besorgten uns den Rest, aber es war vollkommen egal. Wir waren am Ziel. Es lagen nun mindestens zwanzig zu beangelnde Hektar Wasserfläche vor unseren Augen. Kein Mensch weit und breit.
Natur pur, das zählte, nichts anderes und es standen ganze sieben Nächte vor der Brust. Zeit um abzuschalten, einfach nur Karpfenangeln.
Das nächste Level bestand nun darin, sich mit dem Untergrund zu beschäftigen und ich malte mir aus, Sandbänke zu finden, Steinpackungen und Muschelbänke zu beangeln - ein Traum. Nichts, narda! Nach der Einsicht kam die Erleuchtung. Zwanzig Hektar komplett verschlammt. Mindestens 20-30 cm dicker Schlamm. Und nicht nur das. Das ganze Teil war auch nur einen Meter tief. Ich dachte mein Echolot spinnt, aber es war so. “Fuck off” ging es mir direkt durch den Kopf.
Acht Stöcke direkt im Schlamm versinken zu lassen gehört wahrlich nicht zu meiner Lieblingsangelei. Der Regen prasselte immer weiter auf uns nieder und wir bemerkten gar nicht, dass wir eigentlich völlig durchnässt waren. Patschnass bis auf die Unterwäsche. Bevor wir also sinnlos die Ruten im “Nichts” ablegen, waren wir uns einig, vorerst das Gewässer zu beobachten um wenigstens irgendeine kleine Aktivität festzustellen. Nach einiger Zeit machte es einfach nur “Platsch”….jawoll dachte ich, das war ein Carp. Micha guckte mich mit grossen Augen an und er wusste was kommt.
“Micha, da müssen die Ruten hin, gegenüberliegendes Ufer an der Schilfkante.” “Helge”, entgegnete er mir, “das sind mindestens 6-700 Meter…? “..Folgender Plan wurde sofort umgesetzt. Vier Ruten hinten rüber auf die andere Seite verteilt auf 200 m und vier Ruten rechtseitig verstreut von unserer Angelstelle in Wurfweite abgelegt. Single Hook fischig mit einem MB8, wenig Futter verteilt auf einen Fruity Cocos Poppi, Schneemann mit Triple R Garlic und die ganze Kombi nochmal mit einem Solution XL versehen, sollten den Anfang machen.
Die Rig Komponenten bestanden teils aus durchgehendem weichen Vorfachmaterialien, Stiff Rigs, Combi Stiff mit und ohne Line Aligner und den weissen Fruity Cocos Pop Up servierte ich an einem Withy Curve Creator von Taska. Vorschriftsmässig wurden die Montagen mit Safety Clips versehen.
Die ufernahen Köder wurden so abgelegt, dass wir bedingt durch die geringe Wassertiefe mit dem Boot keine unnötige Unruhe auf den Plätzen verursachten. Der erste Angriff war nun erfolgt, nass und bibbernd vor Kälte legten wir uns in die Penntüten. Die Temperatur fiel nun auf 2 Grad, ein heftiger Sturm zog auf, dem ein Blitzen und Donnern folgte. Auf einmal ertönte ein “Piep”. Nee bitte nicht, hörte ich mich sagen. Nein. Doch. Der Drang war größer das Geräusch zu eruieren, egal was es bedeutete. Also, das trockene TShirt aus, den nassen Hoody drüber. Draussen tobte der Sturm, traumatisiert kletterten wir in das Boot und begannen einem vermeintlichen Fisch entgegen zu paddeln. Durch die monofile Schnurr verzögerte sich die Kontaktaufnahme erheblich und die weite Entfernung hat noch seinen Teil dazu beigetragen, dass sich immer mehr Kraut in der Schnurr verfangen hatte. Nach ca. 150 m drehte sich auf der Rolle nichts mehr und ich steckte die Rute erstmal in den Schlamm, um diese von dicken Krautbollen zu befreien. Stück für Stück näherten wir uns dem Ziel, als sich das Gewitter genau über uns befand. Es scherbelte, blitzte und donnerte aus allen Ecken und Kanten und irgendwann konnten wir unser Zelt in einem Blitzschein erkennen. “Gut Micha”, rief ich ihm zu, ” wenn es sein soll, dann hier”. Irgendwas faselte er vor sich hin.
Die Rute steil nach oben gerichtet, spürte ich massiven Widerstand. Junge da ist was dran…..Die nassen Klamotten konnten nicht mehr nasser werden, alles Banane. Der erste “Franzose” hing am Band….ich konnte den Fisch vor unserem Boot erkennen, als sich ein dickes anderes Schnurrknäul direkt oben im Spitzenring festsetzte. Ich wollte den Kontakt nicht aufgeben, weiter Druck ausüben , nunmehr quer über dem Boot hängend drillte ich instinktiv einfach mit der Hand weiter. Nach zwei Fluchtversuchen fand er dann doch den Weg direkt in den Kescher. Demütig und tief knieend erreichten wir schließlich unter tosendem Beifall von oben unser durchtränktes Lager.
Männers, jetzt mal ganz im Ernst, wir hatten bei der Aktion mehr Glück als Verstand, bitte nicht nachmachen.
Mund abwischen, weitermachen, nasse Klamotten aus und ab zurück in die Schlafsäcke. Der Drill lief nochmals wie ein Film vor meinen Augen ab und ich mümmelte mich in den Schlaf. Von irgendwoher konnte ich noch ein lautes Grunzen aus dem Wald vernehmen, die Wildschweine waren aktiv…naja…..”Piep”, Nee. Doch. Alte Scheisse bitte nicht. Doch. Feuer Frei. Nächste Latte. Trockene Sachen aus, mit Schwung in die nassen rein. Geiles Gefühl. Man muss sich alles nur schön reden. Der ufernahe Triple R Garlic-Schneemann überzeugte einen Spiegler bei der Nahrungsaufnahme….
Der Morgen danach, es lichtete sich ein wenig und wir konnten die Natur von ihrer schönsten Seite begutachten.
Doch die Freude währte nicht lange -es schüttete aus allen Rohren, der Boden verwandelte sich immer mehr zu einer gefährlich rutschigen Vollschlammmatsche. Der Wind drehte sich dabei ca. 3mal am Tag. Das Kochzelt bestand nur noch aus einer Fassade. Ein erbärmlicher Anblick.
Die Temperatur stieg tagsüber auf satte 10 Grad (muhaha) an und hangelte sich gegen abend wieder Richtung Gefriertruhe runter…Egal, die Ruten mussten raus. Boot klarmachen, das gegenüberliegende Ufer und die Fruity Cocos Montage entwickelte sich dabei zu einem unschlagbaren Team. Ich hatte mit der Montage den Dreh raus. Der Withy Curve Creator von Taska konnte seine Drehwirkung auf dem schlammigen Untergrund nun richtig entfalten, in dem ich das weiche Vorfachmaterial etwas verlängerte und das Bleischrot am Wirbel befestigte. Der Köder fand sich nun locker flockig auf dem Schlamm wieder und konnte dabei seine einzigartige Hakwirkung erzeugen. Zwei Hände 15er und 20er Fruity Cocos gemischt auf dem Spot verteilt produzierten Karpfen…..
Die ufernahen Stellen stellten sich mittlerweile nur nachts als Fischgarant heraus. Es ging dabei immer weiter, hinten lang nass raus, vorne nass wieder rein. Wir waren mehr damit beschäftigt neue Rigs und Köder zu basteln und die Montage in die Ziele zu verbringen, als alles andere…Somit haben wir von den 8 Ruten beide Positionen jeweils um 2 reduziert. Um aber mehr Attraktivität in den vorderen Bereich zu erzeugen, vermischten wir unserer Futter bestehend aus frischen MB8 und Solution XL Freezern , Amino Pellets und etwas Dosenmais zusätzlich mit dem Fermented Fish Liquid und dem neuen Lachsöl von MTC Baits.
Die Lockwirkung ist dabei enorm und Micha konnte seinen ersten Fisch sicher landen. Dabei stellte er zwei heftige Verletzungen fest, die umgehend “Erst” -behandelt werden mussten.
Die Nächte waren verdammt kurz, die Bisse erfolgten tagsüber sowie nachts zwischen 1 und 4 Uhr. Wir waren wirklich platt und daher erlaubten wir uns, völlige Ruhe auf den Plätzen herzustellen und alle Latten einfach mal rauszuholen. Die Entspannung hatten wir uns redlich verdient und genossen unser erstes ordentliches Frühstück am 4. Tag.
Anscheinend ist die Pause den Karpfen auch gut bekommen und es meldeten sich nach den ersten aufkommenden Sonnenstrahlen die ersten Pieper.
Ich kann mich daran erinnern, dass Jerome vor dem Trip zu mir meinte, an dem See musst du richtig arbeiten um an Fisch zu kommen. Ja, und das war für uns ein absoluter Ansporn, wir haben es erfahren. Bis hierhin sind wir jeden Tag mindestens 6-8 km gepaddelt, rein und raus, immer wieder. In den Schlamm, aus dem Schlamm, in das Boot, aus dem Boot…über 30 Fische konnten wir bis zum Tag 5 verbuchen und wir dezimierten die Ruten auf sagenhafte 2 Stöcke. Jeder eine. Wenne denne……sogar eine schöne Tinca konnte dem Solution XL nicht widerstehen.
Micha’s Freundin sagte zu ihm nach seiner Rückkehr in Dresden, ihn niemals mit solch aufgequollenden Augen gesehen zu haben. Da weißte was du getan hast.
Zwischendurch waren wir wirklich froh, uns einen E-Motor bei “Siri” auszuleihen. Der starke Wind machte uns zusehends zu schaffen, die entfernteren Fallen zielgerichtet abzuspannen. Die Materialschlacht nahm kein Ende, die monofilen Schnüre verdrallten sich zusehends, der Bleiverlust nahm ungeahnte Ausmaße an. Unkonzentriertes Ablegen führte zu dem noch zu Schnurverlusten, da der E-Motor seine gründliche Arbeit eben auch an ihr verrichtete….. ;)
Im Ergebnis führte es dazu, dass die Schnur immer knapper wurde und wir die Bisse bei blanker Spule nur noch an den aufsteigenden Absenkbleien bemerkten.
Die Erschöpfung machte sich breit, wir waren wirklich fertig wie ein Salat. Long Distance Fischen machte keinen Sinn mehr. Jetzt trat Plan C in Kraft und es ging an das Stalken. Fisch suchen, sichten, ansteuern und fangen….mehr geht nicht.
Jerome hat mich gerade angerufen und als ich von dem Unwetter berichtete, entgegnete er mir, dass zahlreiche Angler an umliegenden Seen in der Region evakuiert worden sind. Da weißte was los war. Wir bedanken uns wirklich bei Jerome Albers vom The Carp Specialist, der zu jeder Zeit auch im Vorfeld seine Hilfe angeboten und für Infos mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Wir hatten zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass es sich bei dem wunderschönen See um ein reines Paylake Gewässer handelt. Jede Stelle ist wirklich großzügig angelegt. Die gepflegte Anlage und der Service vor Ort sind vom Feinsten.
Die Woche neigte sich dem Ende entgegen und die Heimfahrt war an sich nur noch Formsache. Ihr werdet es kaum glauben, aber wir haben richtig Vertrauen in Schlamm gefunden, solange es natürlich kein Faulschlamm ist :-), aber mit dem richtigen Werkzeug könnte doch der an oder andere auch hierzulande an Gewässern mit durchgeackerten Stellen aus dem Schlamm entzaubert werden, denkt darüber nach…
Von wegen beschaulich :-)
Tight Lines!
Helge Schuchard.
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Ich kann mit Sicherheit sagen, dass mir Bas, Mark & Jeroen bei mittlerweile mehr als 30 Angelurlauben über die letzten Jahre immer höflich und schnell geholfen haben. Jede Saison gibt es neue schöne sowie gute Gewässer. Alles in allem ist The Carp Specialist eine zuverlässige und vertrauenswürdige Firma, bei der ich immer wieder gerne buche.
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